Ballaststoffe
Ballaststoffe ist ein Sammelbegriff. Er bezieht sich auf die Teile von pflanzlichen Zellwänden und pflanzlicher Gerüstsubstanz. Die Beschreibung der Ballaststoffe zeigt, dass es nicht möglich ist, sie einheitlich zu fassen. Man kann die große Gruppe als „pflanzliche Nicht- Stärke- Vielfachzucker (Polysaccharide) (kurz NSP) plus Lignin“ beschreiben. Lignin ist ein Gerbstoff oder Holzstoff.
Der Begriff „Ballaststoffe“ entstammt einer Zeit, wo man dachte, dass diesen Stoffen keine ernährungsbiologische Bedeutung zukäme. Tatsächlich dachte man, sie seien „Ballast“, also überflüssig.
Dies ist ein gutes Beispiel, für blindwütigen und unbiologischen Reduktionismus in der Erfolgsgeschichte der naturwissenschaftlichen Betrachtung. Unter Reduktionismus verstehen wir die Idee, dass sich alles auf lineare Prozesse zurückführen lässt, der Art also, dass aus A immer B folgen muss. Stattdessen wissen wir heute, dass aus A, abhängig von den Ausgangsbedingungen, vieles folgen kann und es sehr schwer ist, genaue Vorhersagen zu treffen (z.B. eignet sich der Glykämische Index deshalb nicht für die Klinik, weil sich die Wirkungen der Nahrung im Speisebrei, einschließlich der Ballaststoffe, hinsichtlich der Blutzuckerwirksamkeit schwer vorhersagen lassen). Die Geschichte der Ballaststoffe ist deshalb historisch interessant, weil bereits die vor- mittelalterlichen Ärzte um die heilsame Wirkung von Rohkost und damit indirekt von den Ballaststoffen wussten. Sie konnten es nicht chemisch erklären, aber empirisch. Tatsächlich ist es bereits naturwissenschaftlich, solche empirischen Bezüge aufzudecken. Die Ignoranz der „modernen“ Physiologie hat zunächst dieses Wissen ad acta gelegt, musste aber dann langsam einsehen, dass Ballaststoffe wichtig sind, und so stehen wir wieder beim empirischen Wissen der alten Ärzte und Heilkundigen. Bedauerlich ist nur, dass die mangelnde Bewusstheit für Ballaststoffe einen gut Teil zu den so genannten, volkswirtschaftlich extrem teuren, „Zivilisationskrankheiten“ beigetragen hat.
Allerdings beginnen wir besser zu verstehen, warum Ballaststoffe wichtig sind. An dieser Stelle auch gleich eine Warnung: Ballaststoffe haben auch negative Seiten. Zum Beispiel können sie Vitamine und Minerale abbinden und dadurch die Verfügbarkeit einschränken. Bei Verengungen im Darmrohr werden sie gefährlich und nach schweren Operationen der Eingeweide muss sorgsam mit einer ballaststofffreien Kost aufgebaut werden. Ballaststoffe können bei schneller Ernährungsumstellung zu massiven Beschwerden führen, die durch Gasbildungen entstehen. Jede Umstellung sollte daher langsam und mit Bedacht erfolgen. Bei massiven Unverträglichkeiten ist es gut, einen Fachmann zu konsultieren, der naturwissenschaftliche Medizin versteht.
Ballaststoffe bilden zusammen mit dem übrigen Nahrungsbrei ein extrem kompliziertes System von Interaktionen. Die Sympathie Heilung oder Magische Medizin hat immer schon im Speisbrei und Kot ein „Wesen“ erkannt. Tatsächlich muten die komplizierten Prozesse aus biologischer Sicht sehr wesenhaft an. Man tut gut daran, in diesem Geschehen eine mit der Ernährung sehr eng verkoppelte Angelegenheit zu sehen. Man darf sogar sagen: die Zusammensetzung des Speisebreis bestimmt schon im Darmrohr die Ernährungssituation und damit das Wohlfühlen und die Entspannung mit. Dabei ist es Fakt, dass jeder seinen eigenen, passenden Speisebrei komponieren muss.
Die Funktionen der Ballaststoffe sind:
· Sättigungsfunktion. Das Hungergefühl wird gedämpft und übermäßige Nahrungsaufnahme durch natürliche Sättigung verhindert
· Darmflora wird positiv beeinflusst und reguliert
· Verkürzung der Transitzeit: potentiell schädliche Prozesse und Substanzen werden schneller entfernt
· Minderung des Druckes auf die Darmwand und Verhinderung von Verhärtungen, die lokal die Darmwand reizen und beeinträchtigen könnten (Reizung, Entzündung, u.U. Krebsbildung)
· Cholesterinsenkende Wirkung (mehrere Wirkmechanismen denkbar)
· Modifikation der Glucose- Insulinantwort: schonende Inanspruchnahme der Bauspeicheldrüse. Senkung des Glykämischen Index!
· Darmschleimhaut wird regeneriert (durch Butyrat, ein Antioxidans)
· Generelle tumorprotektive Wirkung (schützen vor Krebs)
© Dr. Manfred Ade, campus Naturalis
links:
Ausbildung: Wellness- und Entspannungstherapeut & Business Health Coach
Seminar: Diätetik - Grundsätze gesunder Ernährung