Kommunikationspsychologie
Die vier Seiten einer Nachricht
Friedemann Schultz von Thun, dessen dreibändiges, lebenspraktisch orientiertes Werk "Miteinander reden" sehr bekannt geworden ist, arbeitet in seinem "Nachrichtenquadrat" und in dem "4-Ohren-Modell" des Empfangs von Nachrichten den Zusammenhang von Inhaltsaspekt und diverse Facetten des Beziehungsaspektes noch genauer als Watzlawick (Anleitung zum Unglücklichsein u.a.) heraus.
Der Sender legt in eine Nachricht vier Aspekte seiner Nachricht.
Der Empfänger nimmt vier Aspekte einer Nachricht wahr. (Diese vier Aspekte stimmen übrigens nicht zwingend miteinander überein.)
Sachinhalt
Sender Selbst- NACHRICHT Appell Empfänger offenbarung
Beziehungng
Der
Sachinhalt: Worüber
ich dich informiere.
Es geht um die Sache an sich, eine Sachinformation wird ausgetauscht.
Die Selbstoffenbarung: Was ich von mir selbst kundgebe
Die
Selbstoffenbarung in der Nachricht ist vielen Menschen gar nicht bewusst oder
geläufig.
Schultz von Thun sagt dazu:
"Wenn einer etwas von sich gibt, gibt er auch etwas von sich - dieser Umstand
macht jede Nachricht zu einer kleinen Kostprobe der Persönlichkeit, was dem
Sender nicht nur in Prüfungen und in der Begegnung einige Besorgnis verursacht.
Mit dem zunehmenden Einfluss der Humanistischen Psychologie in Deutschland wurde
uns klar, dass ein "Leben hinter Fassaden" zwar die Selbstoffen-barungsangst
eindämmen kann, aber mit großen Kosten für die seelische Gesundheit und für die
Zwischenmenschliche Verständigung verbunden ist.
Mit diesem Aspekt ist das Thema der Echtheit (Authentizität) angesprochen."
Der Appellaspekt: Wozu ich dich veranlassen möchte
Der
Appellaspekt ist uns dagegen sehr geläufig:
Wir wollen etwas mit unserer Kommunikation erreichen, in der Regel soll jemand
etwas tun und das wissen wir auch. Die Welt ist voller Appelle, und das sind
meist Aufforderungen, etwas zu tun.
Die Beziehungsseite Was ich von dir halte und wie wir zueinander stehen
Die Beziehungsseite ist uns ebenfalls geläufig, denn wir wissen, wenn wir mal ehrlich mit uns sind, sehr genau, dass wir vieles tun, weil uns etwas an dem anderen Menschen liegt und nicht, weil es vielleicht vernünftig wäre.
Wir sagen, wir tun es um des anderen Willen:
- für den Partner/die Partnerin,
- für den beliebten Lehrer/ die beliebte Lehrerin,
- für den Freund/ die Freundin,
- für den bemitleidenswerten, armen Menschen dort auf der Straße,
- für die netten Nachbarn
Wir wissen, dass wir vieles nicht tun, weil uns an dem Gegenüber so gar nichts liegt auch wenn es wohl vernünftig wäre, oder weil wir diesen Menschen gar nicht (mehr) mögen:
- die geschiedene Ehefrau oder der geschiedene Ehemann,
- der Rivale/ die Rivalin
- der Angeber von gegenüber
- die ungeliebten Nachbarn
Das
Nachrichtenquadrat wiederholt selbiges auf der Empfängerseite.
Jede Nachricht kann man spiegelbildlich mit 4 Ohren empfangen.
Schulz von Thun schreibt dazu:
"Je
nachdem, auf welcher Seite er (der Empfänger - KS) besonders hört, ist seine
Empfangstätigkeit eine andere: den Sachinhalt sucht er zu verstehen. Sobald er
die Nachricht auf die Selbstoffenbarungsseite hin "abklopft", ist er
personaldiagnostisch tätig (" Was ist das für eine(r)?" bzw. "Was ist im
Augenblick los mit ihr/ihm?") Durch die Beziehungsseite ist der Empfänger
persönlich besonders betroffen (Wie steht der Sender zu mir, was hält er von
mir, wen glaubt er vor sich zu haben, wie fühle ich mich behandelt?).
Die Auswertung der Appellseite schließlich geschieht unter der Fragestellung "
Wo will er mich hinhaben?" bzw. in Hinblick auf die Informationsnutzung (" Was
soll ich am besten tun, nachdem ich das nun weiß?"
Der Empfänger habe, so Schulz von Thun, prinzipiell die freie Auswahl, auf welcher Seite der Nachricht er empfängt. Dazu bringt er ein Beispiel aus der Schule:
"Ein Lehrer ist auf dem Weg in sein Klassenzimmer, als ihm die elfjährige Astrid entgegenkommt.
"Herr Lehrer, die Resi hat ihren Atlas einfach in die Ecke gepfeffert!"
Reaktion auf den Sachinhalt "Und hat sie das mit Absicht getan?"
(Nimmt Sachinformation zur Kenntnis und bittet um weitere Information)
die
Selbstoffenbarung
"Du bist ganz schön böse darüber, Astrid?" oder:
"Du bist ja eine Petzliese!"
der
Beziehungsseite:
"Warum erzählst du mir das? Ich bin doch nicht euer Polizist!"
oder:
"Ich freue mich, dass du Vertrauen zu mir hast..."
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