Vollwertkost- Eine Ganzheitliche Ernährungsform
Eine ausschließlich gesundheitsbezogene Gesundheitslehre ist nicht zeitgemäß. Es bedarf einer umfassenden Behandlung des Themas auch unter sozialen und ökologischen Gesichtspunkten. Ernährung soll folgende Merkmale aufweisen:
- geschmacklich überzeugend
- gesundheitlich wertvoll
- ökologisch notwendig
- sozial verträglich
- kulturell erwünscht
- ökonomisch machbar
- praktisch durchführbar
Vollwerternährung bedeutet konkret: Gezielte Auswahl und Zubereitung von Lebensmitteln (also keine Fertiggerichte oder Fertigprodukte). Pflanzliche Nahrungsmittel stehen im Mittelpunkt. Es werden gering verarbeitete Lebensmittel bevorzugt. Dazu gehören Vollkornprodukte, Gemüse und Obst, Kartoffeln, Hülsenfrüchte sowie Milch und Milchprodukte. Etwa die Hälfte der Vollkost besteht aus unerhitzter Frischkost. In geringen Mengen sind Fleisch, Eier und Fisch verwendbar.
Ziele der Vollwert- Ernährung sind: Hohe Lebensqualität - insbesondere Gesundheit - Schonung der Umwelt und Förderung der sozialen Gerechtigkeit weltweit. Gesundheit bedeutet nach der WHO- Richtlinie ein Zustand, in dem vollständiges geistiges, körperliches und soziales Wohlergehen möglich ist. Umweltverträglichkeit bedeutet: Verringerung des Energie- und Rohstoffverbrauches, der Schadstoffemissionen und der Müllentstehung. Durch konventionelle Landwirtschaft und "modernes Konsumverhalten" werden Schadstoffbelastungen von Luft, Boden, Wasser und Lebensmittel verursacht. Das führt zu einer Gefährdung des Ökosystems "Erde". Sozialverträglichkeit heißt, Befriedigung der Grundbedürfnisse nach Nahrung, Kleidung und Wohnung, angemessene Entlohnung durch faire Preise für Exportprodukte und Bildung bzw. eigenen Gestaltungsmöglichkeiten für das Leben der Menschen auch in Entwicklungsländern. Tatsächlich werden durch unser Konsumverhalten z.B. kleine bis mittelständische bäuerliche Betriebe weltweit in ihrer Existenz bedroht (eben auch in Deutschland!). Ferner gibt es weltweit gesehen ungleiche Möglichkeiten für den Nahrungserwerb einzelner Länder und Regionen. Vollwert- Ernährung soll soziale Gerechtigkeit weltweit fördern.
Wertgebende Inhaltsstoffe der Lebensmittel sind:
Gehalt essentieller Nährstoffe, Gehalt gesundheitsfördernder Inhaltstoffe (Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe), Dichte an essentiellen Nährstoffen, Hauptnährstoffe, Energiegehalt und Energiedichte.
Wertmindernde Inhaltsstoffen sind: Fremdstoffe, Schadstoffe, pathogene Keime.
Wichtige Kriterien sind ferner: Reife und Frische, Sättigungswirkung, Bekömmlichkeit, Verträglichkeit, Verdaulichkeit und Bioverfügbarkeit (nach Jahreszeiten).
Prinzip Eigenkompetenz
Bekömmlichkeit ist die das Entscheidungskriterium für die Lebensmittelauswahl. Eine andere Form der Individualisierung gibt es nicht. So wird dazu geraten, die Bekömmlichkeit der Menge im Hinblick auf die Verteilung von erhitzter und unerhitzter Frischkost herauszufinden und dann einen individuellen Weg zu verfolgen. Damit ist ausgesagt, dass auch die unerhitzte Frischkostkomponente bekömmlich sein muss, wenn nicht, dann muss sie individuell angepasst werden. Durch Probieren und Experimentieren wird die Eigenkompetenz erarbeitet. So kann auf individuell unterschiedliche Verträglichkeiten getroffen werden. Innerhalb des vorgegebenen wissenschaftlich gesicherten Rahmens ist es also möglich, eine eigene Linie zu finden.
Pflanzliche Lebensmittel
In Wohlstandsländern wie Deutschland wird zuviel Fett und Eiweiß gegessen. Stattdessen werden zuwenig komplexe Kohlenhydrate und Ballaststoffe gegessen. Kohlenhydrate kommen fast nur in Pflanzen vor. Daher stellt die Vollwertkost die pflanzliche Kost in den Mittelpunkt. Vegetarier haben durchschnittlich ein geringeres Körpergewicht ohne Untergewichtigkeit, weniger oft einen zu hohen Blutdruck, ein geringeres Risiko an Herz- Kreislauf Erkrankungen, Krankheiten des Verdauungssystems, Gicht und Nierenfunktionsstörungen. Pflanzen haben eine hohe Nährstoffdichte (= günstiges Verhältnis von essentiellen Nahrungsstoffen und Energie). Tierische Nahrungsmittel weisen dagegen unerwünschte Inhaltstoffe wie Cholesterin, gesättigte Fettsäuren und Purine auf. Pflanzennahrungsmittel haben gesundheitsfördernde Inhaltstoffe (überwiegend) und Ballaststoffe (ausschließlich).
Sekundäre Pflanzenstoffe (Bioaktive Substanzen) haben förderliche Wirkungen: antikanzerogen (gegen Krebs), antimikrobiell (gegen Mikroorganismen, Pilze etc.), antioxidativ (reduzieren oxidativen Stress, bei dem freie Radikale verschieden Krankheiten durch heftige chemische Reaktionen auslösen können), antithrombotisch (gegen Blutgerinsel), immunmodulierend (regeln das Immunsystem ein, vor allem bei Allergien) , entzündungshemmend, verdauungsfördernd). Die Wirkung auf Laborwerte ist: Regelung des Blutdrucks, Senkung des Cholesterinspiegel, Regulation des Blutglukosespiegels.
Ballaststoffe bewirken eine erhöhte Speichelsekretion, höhere Sättigungswirkung, normalisierte Darmpassagezeit, niedrige und gleichmäßige Blutzuckerverläufe und verminderte Cholesterinspiegel.
Nur durch Pflanzen kann eine ausgewogene und gesunde Kost erreicht werden.
Unerhitzte Frischkost
Unerhitzte Frischkost sollte etwa die Hälfte der Nahrungsmenge betragen. Dazu gehört unerhitztes Gemüse, unerhitztes Obst, Frischkorn, Nüsse, Kräuter, Vorzugsmilch u.a.. Durch erhitzte Kost - Kartoffeln, Gemüse, Hülsenfrüchte, erhitztes Getreide, erhitzte Milchprodukte, Fleisch, Eier, Käse u.a. - werden die anderen 50% der Nahrungsmenge bestritten. Unerhitzte Frischkost bedeutet Verfügbarkeit aller essentiellen und gesundheitsfördernde Nährstoffe, die im Produkt vorkommen. Dies gilt auch für die förderlichen sekundären Pflanzenstoffe, die oft hitzelabil, flüchtig oder oxidationsempfindlich (Veränderung durch Sauerstoffaufnahme unter Hitze). Unerhitzte Frischkost intensiviert das Kauen und wirkt daher positiv auf Zähne und Zahnfleisch. Einspeicheln wird verstärkt. Intensives Kauen führt zur höheren Sättigungswirkung, so dass die Sättigungsmechanismen Zeit haben zu wirken (Schlingen führt also dazu, das man zu viel isst). Frischkost als Vorspeise führt zu einem frühzeitigen Sättigungsgefühl.
Beweg-Gründe für eine vegetarische Ernährung
Ethisch, religiös
Töten als Unrecht und Sünde, Lebensrecht für Tiere, Mitgefühl mit Tieren, Ablehnung der Massentierhaltung, Ablehnung der Tiertötung als Beitrag zur Gewaltfreiheit in der Welt, Ablehnung des Verzehrs von Tieren als Beitrag zur Lösung des Welthunger-Problems
Spirituell
Freisetzung geistiger Kräfte, Unterstützung meditativer Übungen, Verminderung des Geschlechtstriebes
Gesundheitlich
allgemeine Gesunderhaltung, Körpergewichtsabnahme, Prophylaxe gegen Erkrankungen, Heilung von Krankheiten, Steigerung der körperlichen Leistung, Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit
Kosmetisch
Abnahme von Körpergewicht, Beseitigung von Hautunreinheiten
Hygienisch
bessere Küchenhygiene, Verminderung von Schadstoffaufnahme
Ökonomisch
Sparen wegen begrenzten finanziellen Möglichkeiten, sparen für andere Werte als Ernährung
Ökologisch
Ablehnung des Verzehrs von Tieren als Beitrag zur Lösung des Welthunger- Problems, Verminderung der Umweltbelastungen durch Fleischproduktion (Klima, Gülle, Geruchsbelästigungen)
Geringer Verzehr tierischer Nahrung
64 % der pflanzlichen Produktion werden in Deutschland dafür gebraucht, um Fleisch zu erzeugen. Bei der Umwandlung pflanzlicher Nahrung in tierische Lebensmittel gehen durchschnittlich 65-90% der Nahrungsenergie und des Proteins der Pflanzen verloren! Diese Energie und Proteinquellen könnten viele Menschen ernähren. Diese große Verschwendung ist gegenüber den hungernden Menschen auf der Erde nicht zu verantworten. Nur 10- 35% von der ursprünglichen pflanzlichen Nahrungsenergie bleiben bei der Fleischproduktion übrig. Eine Lösung des Welthungerproblems ist vor dem Hintergrund der Eiweiß- und Fleischmast der Menschen in Industrieländern nicht möglich. Nur wenn die Menschen in den Industrieländern den Fleischkonsum reduzieren, kann der Hunger in der Welt erfolgreich bekämpft werden. Gülle und tierische Ausdünstungen führen zu immensen Umweltproblemen. Es ist bekannt, dass die Landwirtschaft, insbesondere die Fleischproduktion, zu treibhauswirksamen Spurengasen führt, welche das Klima direkt bedrohen, also zur Erwärmung beitragen.
Erzeugnisse aus anerkannt ökologischem Landbau
Grundsätze des ökologischen Landbaus sind:
- Erhaltung und Förderung der Bodenfruchtbarkeit mit organischem Düngematerial aus dem Betrieb
- Auswahl Standortangepasster Arten und Sorten
- Vielseitige Fruchtfolge statt Monokultur (Artenvielfalt, Sortenvielfalt)
- Erzeugung gesunder Pflanzen und Tiere (artgerechte Tierhaltung)
- Ein an die Betriebsfläche gebundener Nutztierbestand
- Geringstmöglicher Verbrauch an nicht erneuerbarer Energie und Rohstoffen
- Pflege und Erhaltung der Kulturlandschaft
Es kann nicht verhindert werden, dass über Luft (Wind) und Regenwasser Schadstoffe an Pflanzen gelangen, jedoch wird eine chemische Behandlung und Düngung vermieden, die zu Rückstandbelastungen führen. Daher sind die Produkte weniger belastet.
Die ökologischen Produkte sind deshalb teuer, weil nicht einseitig nach ökonomischen Prinzipien gehandelt wird. Zum Beispiel steht das Wohlfühlen von Tieren im Vordergrund. Konventionelle Produktion führt langfristig zu ökologisch und sozial teueren Umständen. Zum Beispiel können Steuern erhöht werden oder die Kassenbeiträge bzw. Leistungen der Krankenkassen ziehen wegen zu vielen kranken Menschen an.
© Dr. Manfred Ade, campus Naturalis
links:
Ausbildung: Wellness- und Entspannungstherapeut
Seminar: Qigong Yansheng - Die 15 Ausdrucksformen